GELB #3

Schleifmythen

Mit mehr Druck geht’s schneller?

Schleifmythen gibt es so viele, wie Körner auf dem Schleifbogen sind. Manche sind nur knapp an der Wahrheit vorbei, andere sind haarsträubend und im schlimmsten Fall gefährlich. Einige halten sich seit Jahrzehnten hartnäckig. Deshalb räumt Kevin Scholz, Leiter der Klingspor Training Academy jetzt endlich mit einigen der am weitesten verbreiteten Schleifmythen auf.

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Schleifmythos #1

Körnungen überspringen spart Zeit

Jeder, der schon mal geschliffen hat, weiß: Los geht’s mit einer groben Körnung. Je nach Anwendung wird mit einer 40er, 60er oder 80er Körnung der Grobschliff erledigt. Der Weg bis zum Feinschliff mit 220er bis 400er Körnung oder gar zu Politur mit über 400er Körnung ist lang und braucht viele Schleifgänge mit immer feinerem Korn. „Manchmal ist es verlockend, ein oder zwei Korngrößen zu überspringen um Zeit zu sparen“, sagt Kevin Scholz, Leiter der Klingspor Training Academy. Und schüttelt gleich den Kopf: „Das ist aber keine gute Idee. So ein Sprung kann zu tiefen Riefen in der Oberfläche führen, die man kaum noch wegbekommt.“

Denn bei einem Körnungs-Sprung, etwa von 80er direkt auf 240er Körnung, bleibt die Grundstruktur des Materials erhalten. Die 240er Körnung schleift nur die Spitzen ab, erreicht aber nicht die vorhandenen Täler. Die Folge: eine raue, wellige und unebene Oberflächenstruktur. 

Die Schleifwahrheit: Zwischenschritte verbessern die Oberfläche 

„Mit kleinen Zwischenschritten arbeiten, langsam feiner werden. Dann wird auch die Oberfläche feiner und gleichmäßiger“, empfiehlt Scholz. Gerade bei der Holzbearbeitung und bei Sichtteilen aus Metall- und Edelstahl sei das wichtig. Eine Faustregel, in welchen Schritten man die Körnung verfeinern sollte, gibt es aber nicht. Stattdessen sind Erfahrung und viel Fingerspitzengefühl gefragt.

Schleifmythos #2

Mit mehr Druck schleift es sich schneller

Diesen Mythos hören die Mitarbeiter an der Klingspor Hotline mit Abstand am häufigsten. „Natürlich bringt ein höherer Anpressdruck erstmal auch mehr Abtrag. Aber das kann schnell umschlagen und Nacharbeiten verursachen, durch die dann die zuvor gesparte Zeit wieder verloren geht“, erklärt Kevin Scholz. 

Ein zu hoher Anpressdruck kann nämlich eine Kettenreaktion in Gang setzen: Mit dem Druck steigt die Gefahr, dass das Schleifmittel überhitzt. Überhitzung führt zu schnellerem Zusetzen und damit kürzerer Standzeit. Außerdem verändert ein höherer Druck auch die Oberfläche: Sie wird ungleichmäßiger und ihre Rautiefe gröber.

Die Schleifwahrheit: Der Prozess muss ganzheitlich betrachtet werden  

Der Anpressdruck ist nur eines von vielen Rädchen, an denen beim Schleifen gedreht werden kann. „Um herauszufinden, welcher Druck im Einzelfall der Beste ist, muss man sich den gesamten Schleifprozess anschauen und alle Parameter aufeinander abstimmen“, rät Scholz.

Viele Schleifmythen begegnen uns seit Jahren immer wieder – und das unabhängig von Erfahrung oder Anwendung.

Kevin Scholz
Leiter Klingspor Training Academy

Schleifmythos #3

„P“ gibt die Streudichte an

Auf einem Schleifmittel finden sich viele Zahlen- und Buchstaben, die es näher spezifizieren. Fast immer mit dabei: die Angabe mit „P“. P60 oder P120 beispielsweise. „Es hält sich hartnäckig die Annahme, dass dieses „P“ angibt, wie dicht das Korn gestreut ist“, erzählt Kevin Scholz. „Dass also P60 heißt, dass auf einer bestimmten Fläche Schleifband 60 Schleifkörner platziert sind. Oder bei P120 dann eben 120 Schleifkörner.“ 

Die Schleifwahrheit: „P“ benennt die Korngröße 

„P“ hat mit der Streudichte nichts zu tun, sondern gibt die Korngröße gemäß der FEPA-Norm an. Die FEPA (European Federation of Producers of Abrasives) legt für Europa die Größe des Schleifkorns fest. Dabei gilt die Regel: je feiner die Körnung ist, desto größer ist die „P“-Zahl. 

Ein Blick auf die Rückseite oder die Verpackung des Schleifmittels gibt Aufschluss über die Korngröße. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass die FEPA-Norm nicht die einzige Norm für die Angabe der Körnung ist. „Das bedeutet für Anwender: Wenn sie Schleifmittel miteinander vergleichen wollen, müssen sie zunächst prüfen, ob die Angaben auf Basis derselben Norm gemacht wurden.“ Denn nur wenn die Korngröße mit der gleichen Kennung, also beispielsweise „P“, angegeben ist, sind die Schleifmittel auch vergleichbar. 

Die Streudichte wird im übrigen nicht mit einer konkreten Zahl angegeben. Klingspor hat offen, halboffen und dicht gestreute Schleifmittel im Programm. Welche Streudichte welche Vorteile bringt, erfahren Sie im Klingspor Schleifwissen.

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Schleifmythos #4

Die Schleifband-Farbe gibt die Kornart an

Nein! Die Farbe eines Schleifbandes sagt nichts über dessen Kornart aus. „Man kann sich nicht darauf verlassen, dass ein blaues Schleifband von Klingspor ein Zirkonkorund-Band ist. Das ist zwar oft so, aber nicht immer“, erklärt Kevin Scholz von der Klingspor Academy.

Die Schleifwahrheit: Die Deckbindung bestimmt die Farbe   

Die Farbe eines Schleifbands wird vor allem durch die Deckbindung bestimmt, also die letzte Materialschicht, die auf das Band aufgetragen wird. Sie überdeckt meistens die Farben der unteren Schichten. Gleiche Farbe heißt also nicht zwangsweise gleiches Korn – sondern eher gleiche Deckbindung.

Nehmen wir ein Beispiel: Klingspor hat verschiedene grüne Schleifbänder im Sortiment. Ihre Farbe bekommen sie durch die Multibindung, die sie alle haben. Diese Zusatzbeschichtung sorgt für einen besonders kühlen Schliff, erhöht Abtrag und Standzeit und reduziert Anlauffarben beim Edelstahlschliff. Die Kornarten sind bei grünen Schleifbändern ist aber ganz unterschiedlich, wie drei Beispiele zeigen:

CS 631 XF

Kornart: keramischer Korund

Spezialprodukt für Edelstahl und Titan

CS 409 Y

Kornart: Zirkonkorund

Aggressives Produkt für Edelstahl und hochlegierte Stähle

LS 313 JF

Kornart: Korund

Ideal für die Bearbeitung von temperatur- empfindlichen Formteilen

Schleifmythos #5

Teuer schleift besser

Was viel kostet, muss auch besser sein. Das könne man beim Schleifen nicht so einfach sagen, erklärt Kevin Scholz, Leiter der Klingspor Academy: „Entscheidend für den Erfolg beim Schleifen ist nicht der Preis des Schleifmittels. Der Schleifprozess wird von vielen verschiedenen Parametern beeinflusst, die über die Leistung eines Schleifmittels entscheiden.“ 

Die Schleifwahrheit: Das Schleifmittel muss zum Prozess passen  

Um ein optimales Schleifergebnis zu erhalten ist es wichtig, das Schleifmittel passend zum Schleifprozess auszuwählen. Dabei sind unter anderem das Material, die eingesetzte Maschine und das gewünschte Oberflächenergebnis zu berücksichtigen. Manchmal zeigt es sich, dass nicht das teuerste Schleifmittel das das Beste für eine Aufgabe ist: „Es kann sein, dass ein sehr hochwertiges keramisches Schleifmittel auf einer schwachen Maschine seine Leistung gar nkcht abrufen kann. Dann kann ein Wechsel auf ein günstigeres Produkt mit Zirkonkorund oder Korund das gleiche Ergebnis zu geringeren Kosten bringen“, so Scholz.

Wer unsicher ist, welches Schleifmittel am besten zu seiner Schleifaufgabe passt, kann sich an die Schleifmittel-Spezialisten von Klingspor wenden. Die Abrasive Experts beraten und arbeiten aktiv mit, um Schleifprozesse zu optimieren – natürlich auch mit Blick auf das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Ihr Wissen geben die Experten auch in der Klingspor Training Academy weiter. Egal ob zu Metall, Holz oder Baumaterialien – die Training Academy bietet für jeden Anwendungsbereich ein passendes Programm.

Entdecken Sie die Klingspor Training Academy und die Abrasive Experts:

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